Gerade der Ausbau von Windenergieanlagen ist ein heiß diskutiertes Thema. Ein Argument der Windkraftgegner war bisher der Infraschall von Windkraftanlagen. Der Infraschall soll angeblich so hoch sein, dass dieser Menschen krank macht. Betroffen wären Menschen, die in der Nähe von Windparks leben. Einen Beleg gab es bis vor kurzem ebenfalls. Eine Studie der BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) zum Thema Infraschall untermauerte diese These. Die Studie musste nun jedoch zurückgezogen werden. Grund dafür ist, dass die Studie schlichtweg fehlerhaft ist. Der Infraschall wurde in der Studie mit dem Titel: „Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen“ aus dem Jahre 2005 um einen Faktor von mehr als 1000 zu hoch berechnet. Gerade einmal 0,9 % der frei verfügbaren Flächen sind für den Bau von Windkraftanlagen ausgewiesen. Welchen Effekt diese widerlegte Studie hat und zu welchen Erkenntnissen wir im Hinblick auf Infraschall von Windkraftanlagen gekommen sind, lesen Sie in diesem Artikel.  

Was ist Infraschall?

Um den Begriff Infraschall erklären zu können, muss man den Begriff Schall genauer erläutern. Schall ist eine sich wiederholende Änderung des Luftdrucks. Dieser breitet sich ausgehend von der Quelle wellenförmig in alle Richtungen gleichmäßig aus. Die zwei wichtigsten Eigenschaften von Schall sind zum einen die Tonhöhe und zum anderen die Lautstärke. Die Lautstärke wird durch die Größe der Druckschwankungen, den sogenannten Amplituden der Schwingungen bestimmt. Je größer die Amplitude der Schwingungen ist, desto lauter ist der Ton. Gemessen wird die Lautstärke in Dezibel (dB).

Die Tonhöhe wird durch die Frequenz, die in Hertz (Hz) angegeben wird, bestimmt. Die Frequenz gibt die Schnelligkeit der Druckschwankungen wieder. Je größer die Frequenz der Schwingungen ist, desto höher ist der Ton. Töne zwischen 50 Hz und 100Hz werden als tiefe Töne wahrgenommen, wohingegen Frequenzen zwischen 2000 Hz und 5000Hz als hohe Töne empfunden werden. Die tiefsten von Menschen wahrgenommenen Töne liegen bei 16 Hz. Schall, der sich unterhalb des Hörbereichs befindet, nennt man also Infraschall. Infraschall kommt so gut wie überall in unserer Umwelt vor. In der Natur entsteht Infraschall durch Wind, Wasserfälle oder Meeresbrandungen. Menschengemachte Quellen sind Heizungs- oder Klimaanlagen, Straßen- und Schienenverkehr oder Lautsprechersysteme, sowie Windkraftanlagen.   

Schall, der sich unterhalb des Hörbereichs befindet (16Hz), nennt man also Infraschall.

Fehlerhafte Studie der BGR

Die BGR-Studie mit dem Titel: „Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen“ aus dem Jahre 2005 war für viele Windkraftgegner ein klares Argument gegen den Ausbau von Windkraftanlagen. Viele Lobbyverbände und Privatpersonen sind der Meinung, dass der Infraschall von Windkraftanlagen gesundheitsschädigend für Menschen ist. 

Wie wir heute wissen, wurden in dieser Studie Fehler gemacht. Die BGR selbst ging lange Zeit nicht auf diese Kritik ein. Kurioserweise hat es 16 Jahre gebraucht, um den Rechenfehler in der Studie zu entdecken. Dr. Stefan Holzeu, der an der Universität Bayreuth tätig ist, erkannte den Fehler bereits im letzten Jahr und machte darauf aufmerksam. Neue Berechnungen haben ergeben, dass die Schallleistung um 36dB zu hoch angeben war. Dabei handelt es sich um Werte auf einer logarithmischen Skala. Zehn Dezibel mehr entspricht einem Faktor der Schallleistung von 10. 36 Dezibel ergeben einen Faktor von 4000.  

Dies ist nicht der einzige Kritikpunkt der Studie. Damals hat man die Messung einer Windkraftanlage verwendet, um dann den Infraschall anderer Anlagen abzuschätzen. Das gemessene Windrad hatte zwei Generatoren: Einen mit 200 kW und einen mit 660 kW. In der Studie wurde mit dem 200 kW starken Generator gerechnet. Laut Dr. Holzeu ist es wahrscheinlicher, dass bei den Windstärken bei denen gemessen wurde, der 660 kW starke Generator aktiv war. Damit scheinen die Messwerte ohnehin schon fehlerhaft dokumentiert worden zu sein

Zudem ist festzuhalten, dass die BGR nie die Auswirkungen von Infraschall auf den Menschen untersucht hat. Trotzdem wurde diese Studie von Windkraftgegnern verwendet, um vor den vermeintlich schädlichen Infraschallwellen von Windrädern zu warnen.

Laut der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg ist die Infraschallbelastung von Windkrafträdern nicht so hoch, wie vermutet. So kamen sie auf die Ergebnisse, dass der Infraschallpegel eines eingeschalteten Windrads bei 150 m Entfernung bei 55-80 dB liegt. 55 dB ist dabei ungefähr so laut, wie normaler Straßenverkehr, wobei die Vergleichbarkeit aufgrund verschiedener Faktoren nicht ausreichend gegeben ist. Ausgeschaltet liegt der Wert bei 50-75 dB. Bei einer Entfernung von 650-700 m konnten keine nennenswerten Unterschiede zwischen eingeschalteten und ausgeschalteten Anlagen gefunden werden. In beiden Fällen liegt der Wert bei 55-75 dB. Die Werte schwanken deshalb, weil der größte Teil des Infraschalls selbst vom Wind erzeugt wird. 

 

Wie gefährlich ist der Infraschall von Windkrafträdern?

Das Bayrisches Landesamt für Umwelt kommt zu dem Ergebnis, dass Infraschall mit einem Pegel von 140 Dezibel zu Gehörschäden beim Menschen führen kann. Außerdem kann ein sehr hoher Schallpegel, der für das menschliche Ohr hörbar ist, zu negativen Effekten auf das Herz-Kreislaufsystem führen kann. Auch von negativen Auswirkungen, wie Ermüdung, Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, Benommenheit oder Beeinträchtigung des Schlafs wird berichtet. Liegen die Pegel allerdings unterhalb der Hörschwelle, wie es bei Windrädern der Fall ist, konnten in Studien am Menschen keine Wirkungen auf das Gehör, das Herz-Kreislaufsystem oder andere vergleichbaren Symptome beobachtet werden.  

Eine Langzeitstudie des technischen Forschungszentrums Finnland (VTT) untersuchte die gesundheitlichen Auswirkungen bei Menschen, die in der Nähe einer Windenergieanlage wohnten. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass keine negativen gesundheitlichen Auswirkungen bei Anwohnern gefunden werden konnte. Die Forscher erklärten das vermeintlich häufige Auftreten von Symptomen der betroffenen Personen mit dem „Nocebo-Effekt“, wodurch negative Gesundheitseffekte dadurch hervorgerufen werden können, wenn man diese erwartet.